BikeAppennino:

 

da Sansepolcro a Sapri


 

Diese kurzen Notizen erzählen von der, in zwei Etappen erfolgten Reise im Frühjahr 2007. Daran nahm der Unterfertigte, gemeinsam mit den Freunden Luisa, Luca, Toni und Franco, teil. Der Start erfolgte in Valtiberina (vom Tiber durchflossenen Gegend), wo St. Franziskus lebte und wirkte, mit Ankunft an den sonnigen Küsten des Cilento (gebirgige Subregion in Süditalien, zwischen dem Golf von Salerno und Policastro). Die Strecke der Region Umbrien habe ich alleine durchfahren, es war Frühling, zu Ostern, eine Zeit, die den Reiz dieser an Einsiedeleien und Klöstern reichen Gegend besonders betont und hervorhebt; wo sich berühmte Persönlichkeiten aufhielten und dort verweilten, wie San Francesco, Sant’Antonio di Padova und San Bonaventura da Bagnoregio. Von dieser Gegend blieben mir vor allem die Einsiedelei von Montecasale im Gedächtnis sowie die morastigen Pfade zwischen Bocca Trabaria und Bocca Serriola, die Begegnung mit einem Reh kurz vor dem Acquapartita-Pass, die Überreste der altrömischen Flaminia und das überwältigende Panorama auf dem Monte Cucco.  Das malerische kleine Berggasthaus in Val di Ranco, mit einer jahrhundertealten Buche inmitten des Speisesaales, die somit Bestandteil des Gebäudes geworden ist. Das Dach des neuen Saales wurde um den alten Baum herum errichtet, um den Baum nicht fällen zu müssen. 

Am 19. Mai sind wir losgefahren, diesmal zu fünft, um die Reise die wir anfangs April unterbrochen hatten, fortzusetzen. Wir fuhren mit der Eisenbahn bis nach Castelraimondo, Bahnhof von Camerino, jenem Ort, wo wir damals die Fahrt unterbrochen hatten. Vom schönen Wetter begünstigt, haben wir zuerst begonnen, die Sibillini zu besteigen....., teils auf Asphalt (ein endloser Aufstieg von Fiastra nach Pintura di Bolognola!), teils auf ausgetretenen, jedoch gut erhaltenen Wegen (Aufstieg zur Schutzhütte “Rifugio Città di Amandola“ und anschließend Abstieg nach Treponti): eine Landschaft in voller Blüte, wo sich am dritten Weiler die Blütenpracht  vollends entfaltet. An dieser Teilstrecke (von Montegallo nach Amatrice) ist der Gebirgsgrat zwischen Forca di Presta und Colle Le Cese ein wahrlich botanischer Garten, welcher sich in Richtung der Hochebene Castelluccio hinzieht, übersät von einem Meer weißer Narzissen.  Nun sind die Berge der Laga an der Reihe, welche wir, längs des Campotosto-Sees, umfahren haben, sowie der Gran Sasso. Wegen der Schneedecke, welche die Wegweiser unter sich begraben hat und dem verhangenen Himmel, umgehen wir die Abhänge dieses stolzen Bergmassives aus Kalkstein, und fahren dann von Prati di Tivo, auf einem guterhaltenen Pfad, den Hang hinunter, in Richtung Teramo. Wir fahren eine Strecke mit dem Auto unseres Freundes Daniele Borgheggiani (CAI Farindola), um dessen Hilfe ich gebeten hatte, nachdem mich eine Erschöpfungskrise übermannt hatte; später feierten wir alle zusammen in der urgemütlichen Berghütte Capanna Val d’Angri, mit den wohlschmeckenden „arrosticini“ und weiteren gastronomischen Spezialitäten des Ortes. Nach einer Teilstrecke kommen wir am Fuße des Majella an; ein gewaltiges Bergmassiv, von Zauber umhüllt: ein Fuchs empfängt uns ohne Scheu am San Leonardo-Pass, anscheinend ist er an vorüberziehende Wanderer gewohnt. Rasche Abfahrt nach Campo di Giovo, um dann, über eine fantastische Strecke, auf einem guterhaltenen Pfad (Begegnung mit „saettoni“, sehr scheue rabenschwarze Schlangen), zum Gebirgspass zu gelangen, über welchen wir die Hochebenen von Roccaraso und Pescocostanzo, dem Dorf der Goldschmiede und der Klöppelspitzen, erreichen.         

Die erste Woche haben wir hinter uns: Luca, Franco und Toni müssen schweren Herzens heimkehren, Luisa und ich hingegen setzen die Reise in Richtung Molise fort. Anfangs treffen wir einen alten Freund, Ludovico Falasca von Carovilli, fachkundig auf dem Gebiet der Viehtrifte, dann, Sonntag den 27., begegnen wir den Mitgliedern des CAI von Isernia, mit denen wir lange Wanderungen durch herrliche Buchenwälder in der Nähe von Pescopennataro unternehmen. Dies ist ein Beispiel der Begeisterung, welche in den mittel- und süditalienischen Sektionen des CAI herrscht, Eigenschaft, die sich mit dem Gefühl der Gastfreundlichkeit vermischt, typisch südländisch: ein aufrichtiges Dankeschön an Ferdinando Viti und seiner schönen Gemahlin. 

Leider ändert sich das Wetter. Als wir Montag früh von Carovilli losfahren, ist der Himmel mit schweren Wolken behangen, wir überqueren den Matese unter dunklen, rasch dahinziehenden, regenschweren Wolken. Die Überraschung des Tages ist jedoch die Begegnung mit vier Wölfen, abgemagert und verängstigt, einer davon begleitet uns ein Stück, jedoch keiner nähert sich uns: ein aufregendes Tête-à-tête, wir verspüren jedoch keine Angst, eher ein wenig Mitleid wegen des steten zermürbenden Überlebenskampfes den sie beim Auftreiben der spärlichen Nahrung führen müssen. Wir sind von den im Fernsehen übertragenen Sendungen gewohnt, ausschließlich gesättigte und wohlgenährte Wölfe zu sehen, ohne dabei zu denken, dass die Wirklichkeit ganz anders aussieht.           

Wir fahren im Eiltempo den Matese-See entlang, da in Bälde ein heftiges Gewitter niedergehen wird. Wir gelangen gerade rechtzeitig zur Herberge, als ein sintflutartiges Gewitter niederprasselt, da haben wir noch mal Glück gehabt ... Zu Abend essen wir in Gesellschaft des freundlichen Carlo Pastore, Obmann der Sektion von Piedimonte Matese, man redet von den Bergen, von den Alpen, von Marcialonghe (Skilanglaufrennen über 70 Kilometer) und Langlauf: ein gemütliches Beisammensein, während draußen der Gewittersturm tobt!     

Am nächsten Morgen bekommen wir dafür die Quittung. Während wir uns unter tobendem Sturm bergab begeben, sind wir immer wieder gezwungen, zu Fuß zu gehen und unsere Fahrräder zu schieben, um nicht von den Sturmböen von den Rädern gerissen zu werden! Allmählich kommt zaghaft die Sonne hervor, jedoch nur für sehr kurze Dauer: als wir uns in Solopaca mit Enzo Ascione vom CAI von Benevento treffen, beginnt es wieder zu regnen, sodass wir gezwungen sind, die geplante Überquerung des Taburno abzubrechen und über einen Umweg, entlang einer Asphaltstraße, zum Gehöft zu gelangen, welches wir für die Übernachtung bestimmt hatten. Wir sind ein wenig niedergeschlagen, das ausgezeichnete Abendessen in Gesellschaft mit den Freunden von Benevento lassen uns die gute Laune schnell wiedererlangen, und die Sonne am nächsten Morgen erweckt in uns die Hoffnung, den Partenio doch noch überqueren zu können: o weh!, diese Illusion schwindet nach und nach, desto weiter wir den steilen Hang hochsteigen, über den wir zum Hochplateau des Campomaggiore gelangen: vor uns breitet sich eine grüne Ebene aus, bei Sonnenschein würde sie einen herrlichen Anblick bieten, am Himmel rast jedoch eine bedrohliche und dunkle Wolkenfront dahin ... und es fallen bereits die ersten Tropfen vom Himmel. Wir wärmen uns in der Bar des Wallfahrtsortes Montevergine auf, wo Di Luca knappe zwanzig Tage vorher sein erstes „Rosa-Trikot“ bei der Italienrundfahrt gewonnen hat; wir warten vergebens auf eine Wetterbesserung, so brechen wir unter heftigem Regen auf und begeben uns langsam bergab, in Richtung Avellino.                

Ich bitte unseren Freund Italo Guerriero um seine Hilfe; dieser macht sich unverzüglich mit seinem Wagen auf den Weg, um uns freundlicherweise bei ihm zuhause aufzunehmen. Nachdem wir unsere Kleider getrocknet und eine warme Dusche gemacht haben, ziehen wir die Möglichkeit in Erwägung, am nächsten Tag nach Hause heimzukehren, wir stellen jedoch fest, dass eine artgerechte Verstauung unserer Fahrräder schwierig sein wird und somit die Fahrt mit dem Wagen durch Avellino problematisch werden könnte...  Beim Abendessen begegnen wir den Mitgliedern des CAI von Avellino, wir verabschieden uns mit Erinnerungsfoto und Wimpel, mit dem Versprechen, uns wieder zu treffen, um den, wegen Schlechtwetter abgesagten Aufstieg zum Terminio, nachzuholen. Am nächsten Tag scheint wider Erwarten am glasklaren Himmel eine leuchtend strahlende Sonne über dem Talkessel von Avellino. Da ich jedoch diesem plötzlichen Witterungsumschwung nicht traue, übersteigen Luisa und ich die Südflanke des Gebirgsgrates und fahren dann, über Giffoni, in Richtung Meer, welches wir nahe Battipaglia erreichen.        

Die letzten zwei Teilstrecken fahren wir der Küste entlang: wir bewundern die Tempel von Paestum, wir fahren entlang gemütlicher Nebenstraßen, von Agropoli bis nach Ogliastro, um dann, unvermeidlich, die Küstenstraße mit den unzähligen und anstrengenden Auf und Ab entlangzufahren ... Herrliche Küste, besonders von Palinuro nach Marina di Camerota, wo wir Samstag, den 2, Juni, um 12 Uhr ankommen, hier beginnt es wieder zu regnen, jedoch nicht so heftig wie in Avellino: wir legen so die letzten 35 Kilometer unter Regen zurück, die vorgesehene nächtliche Vergnügungsfahrt mit dem Küstenzug bei Sapri findet infolgedessen auch nicht statt; da bleibt uns nichts anders übrig, als bis zur Ankunft des Zuges, in den engen Straßen dieses gemütlichen Städtchens Kampaniens herumzuschlendern, am Abend steigen wir dann in den Zug mit  Schlafwagen ein, welcher uns nach Hause bringt.       

 

 

Bilder vom Tag 7-8-9-10 im April

 

 

Bilder vom Tag 19-20 im Mai

 

 

Bilder vom Tag 21-22 im Mai 

 

 

Bilder vom Tag 23-24 im Mai

 

 

Bilder vom Tag 25-26 im Mai

 

 

Bilder vom Tag 27-28 im Mai

 

 

Bilder vom Tag 29-30-31 im Mai

 

 

Bilder vom Tag 1-2 giugno